Microsoft kommt ganz groß

Wenn ich die Kommentare lese über Microsoft’s Ankündigung des Surface Tablets, dann denke ich mir, die Leute haben nichts verstanden. Nicht mal die Redakteure von heise.de (c’t) scheinen zu begreifen, was da unter der Oberfläche („Surface“, haha!) abgeht oder abgehen wird.
Microsoft hat ein Tablet vorgestellt, und alle reden von Preisen, Lieferbarkeit, von Kompatibilität mit div. Altsoftware (=Altlasten) etc. etc. und vergleichen das mit Apple’s iPad, das allgemein als Gerät nur zum Spielen und Konsumieren wahrgenommen wird.
Oh weh!
Dabei hat Steve Jobs das von der ersten Vorstellung der iPads an doch so schön und deutlich gesagt, die Zukunft der herkömmlichen PCs geht zu Ende, die Zukunft sind mobile Geräte. Und wie recht er gehabt hat, ist nun eigentlich leicht zu sehen, aber die Leute ignorieren das. Das iPad kann auch zum Spielen verwendet werden, ja, aber es wird rund um die Welt als Arbeitsgerät genutzt. Vom Militär über die NASA, von der Industrie über Versicherungen und Handelsketten. Das iPad hat Tausende Produktivitäts-Apps (für Wirtschaft, Finanzen, Bildung, Medizin, Dokumentation…) und ersetzt nicht nur jetzt schon Millionen von PCs in der Arbeitswelt, sondern erschließt neue Anwendungsmöglichkeiten, die mit PCs gar nicht möglich gewesen wären.
So weit, so spannend.
Jetzt geht es aber erst richtig los.

Microsoft betritt die Bühne, mit Windows 8, Metro und Surface.
Das klingt so wie ein „ich will da auch mitmischen“, bei dem Welterfolg des iPad.
Aber es ist viel mehr.
Diesmal, vielleicht zum ersten Mal, denkt Microsoft groß.
Microsoft sind Kleinigkeiten wie Preise, Kompatibilität, Konkurrenz etc. diesmal egal.
Diesmal geht es ums Ganze.
Microsoft denkt die Arbeitswelt neu.
Das bezieht alles ein, was die (heutige Büro-) Arbeitswelt so ausmacht.
Von den Abläufen und Geschäftsprozessen in den Unternehmen und Organisationen angefangen, über die Architektur und die Innenarchitektur der Gebäude, die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse, bis zu den informationstechnischen Werkzeugen (früher: PCs, ganz früher: Großrechner) – alles wird neu gedacht.
Dabei steht, wie in der Keynote zur Vorstellung von Surface vielfach betont, Mobilität und Flexibilität im Vordergrund, allein schon, weil es in dieser neuen Arbeitswelt keine festen Schreibtische oder zur Person zugeordneten Büros mehr geben wird – da machen herkömmliche PCs einfach keinen Sinn mehr. Also alles mobil, während bei der Hardware geradezu manischer Wert auf Perfektion und Ästhetik im kleinsten Detail gelegt wird.
Und die erste Manifestation dieser neuen industriellen und gesellschaftlichen Revolution ist eben das Tripel aus Windows 8, dem touch-orientierten Metro, und der Hardware Surface.
Bleiben zwei spannende Fragen:
1. Wird Microsoft’s Konzept aufgehen?
2. Was wird sich Apple einfallen lassen, um den gerade erst in die Tür gebrachten Fuß bei Arbeitsweltanwendungen nicht gleich wieder von Microsoft zertreten zu bekommen?

Und noch eine Nachbemerkung:
Wie lächerlich klingen in Anbetracht dieser Visionen die Fragen der ewigen Windows-Hardliner (um nicht zu sagen: der ewig Gestrigen) nach der Lauffähigkeit von XY-Legacy-Windowsprogrammen auf dem Surface… oder wie lächerlich ist die Frage, ob so ein Tablet 200 ‚Ǩ mehr oder weniger kostet…
Und: viel Spaß bei der Suche nach einem „PC“ in einem Bürohaus von 2020 oder 2025… wenn es dann noch Bürohäuser gibt…

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.