Mac: iPhoto 9 :-(

Schon der Test in c’t war ernüchternd, aber meine Testinstallation auf dem MacBook erschüttert mich zutiefst: Was Apple da abgeliefert hat mit iLife’11 ist ja unter aller Kritik.
Dabei beziehe ich mich eigentlich nur auf iPhoto, und da nur auf die Mail-Funktion. Scheinbar nur ein kleines Steinchen im ganzen Mosaik, aber für mich ein Workflow-kritisches Feature erster Ordnung.
Denn was tue ich denn mit meinen zig-Tausenden von Fotos? Importieren, sortieren, beschlagworten, bewerten – und dann eine Auswahl per Email versenden. Reiseberichte, Urlaubserzählungen, Katzenreports, Familiengeschichten. Manchmal Kurzgeschichten. Bisher begonnen mit einer Fotoauswahl und dem „Email“-Knopf.
Beim neuen iPhoto 9 gibt es durchaus „Bereitstellen…“ per Email. Nur kommt da kein Dialog für die gewünschte Größe der Bilder und anschließendem Wechsel ins Mail-Programm mit vorformatierter Bildermail, wo ich dann meine Texte dazuschreiben kann.
Sondern ein iPhoto-eigener Email-Dialog öffnet sich, bei dem man maximal 10 Fotos in fixer Größe (zumeist winzigst) mit aufwändiger Umrahmung (per durch Klick ausgewähltem Theme) als ein einziges JPEG zusammengestellt bekommt. Es gibt keine CC oder BCC Adresszeilen, und man kann keine Kontaktgruppen adressieren. Gestaltungsfreiheit: fast keine, das Theme kann man aus den fertigen wählen, und ein paar Zeilen (! nicht mehr!) Text dazuschreiben, die Schrift aussuchen. Wobei sich das Programm die Auswahl nicht mal merkt. Weniger als auf einer Postkarte. Zurück in die Steinzeit. Dazu noch fehlerhaft implementiert: nach einem Problemchen mit einem meiner Mailaccounts hat iPhoto gemeldet: gesendet, und den Dialog geschlossen, einfach weg, dabei war die Mail keineswegs gesendet.
Mein Vater hatte 1982 auf dem DOS-PC ein Progrämmchen, mit dem man aus vorgefertigten ASCII-Graphiken und kurzen Texten illustrierte Seiten zusammenstellen und ausdrucken konnte, ungefähr das gleiche Niveau bietet uns Apple nun 2010 auf den besten Computern der Welt.
Ich bin beeindruckt! 🙁
Und es ist zu befürchten, dass die Tendenz immer mehr dahin geht: Alles sieht aus wie am iPad/iPhone, wie eine „App“, und die Funktionalität bleibt auf der Strecke. Alles schön, elegant und dumm. Oh weh.
Auf dem Computer will ich keine Apps, sondern richtige Software!

Ich habe eine Zeit lang überlegt, iPhoto nicht auf meinem MacBook Pro zu installieren. Aber ein Update nicht mitzumachen hat früher oder später andere böse Konsequenzen. Und in der iPhoto-Library steckt dermaßen viel Arbeit drin, dass ich sicherheitshalber keine Version auslassen möchte: Wer garantiert mir denn, dass ich mit dem nächsten iPhoto (Version 10?) dann meine alte Library noch weiterverwenden kann? Daher beiße ich in den sauren Apfel, ja ja, und finde mich mit der Neuner Version ab.

Bildermail-Workaround-Howto:
Denn es gibt ja immer noch die Möglichkeit, eine herkömmliche Fotomail mit Dutzenden Fotos und viel, viel Text dazwischen zu erstellen, und die ist kaum schlechter als der alte Email-Knopf:
Einfach die Bilderauswahl von iPhoto (aus der Mediathek, Fotos, oder einem Album) direkt ins Dock auf das Mail-Icon ziehen. Auch dann bekommen wir die Bilder in ein neues Mail-Fenster, nur müssen wir die Zeilenabstände/Leerzeilen zwischen den Bildern manuell nachträglich einfügen. Und ganz unten rechts im Mail-Fenster gibt es das kleine Menü, um die Größe der Bilder in den altbekannten Standardschritten einzustellen: klein, mittel, groß oder Original.
Na dann.

Howto iPhoto 9 Installation:
[Wichtig: Nicht aktualisieren, wenn noch heuer Kalender erstellt/bestellt werden sollen: iPhoto 9 kann dies noch nicht!](Update: Kalender funktionieren mit der neuen Version 9.1.)
Eine kürzlich erfolgreich durchgelaufene TimeMachine-Sicherung ist wie immer Voraussetzung!
Zuerst eine Kopie der iPhoto-Library anlegen (mit dem Finder, die Lib ist in „Bilder“ im Home-Verzeichnis): Finder/Ablage/Duplizieren. (Das hat bei mir über eine Stunde gedauert…)
Dann die iLife’11 DVD einlegen. iLife komplett installieren.
Achtung! Anschließend iPhoto nicht starten!
Sondern zuerst Softwareaktualisierung aus dem Apfelmenü durchlaufen lassen und auf die iPhoto-Aktualisierung achten.
Erst wenn iPhoto auf die neueste Version (mindestens 9.0.1) [Update: 9.1 ist schon da] gebracht worden ist, darf man das neue iPhoto zum ersten Mal starten.
iPhoto 9 aktualisiert dann (wieder mal) die gesamte Fotosammlung.
Wenn etwas schief gegangen ist, kann man auf die duplizierte Lib zurückgreifen, oder diese gar von der TimeMachine zurückholen… hoffentlich ist das nicht nötig!

Die noch fehlende Kalenderfunktion hat Apple versprochen, bald nachzurüsten, also öfter mal in die Softwareaktualisierung schauen. [Update: ist schon da, Version 9.1]

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