von KYTRONs zu HEXBUGs

Von 1974 – 1980 habe ich seinerzeit meine Serie von autonomen, beweglichen Robotern (autonomous mobile robots) gebaut, wie man vielleicht von meiner KYTRON-online-Dokumentation weiß. Alle KYTRONs suchten nach Licht, mit verschiedenen Arten von Lichtsensoren. (Nr. 2 konnte auch in den Schatten flüchten.) KYTRON 1 war technisch primitiv, das Chassis aus Blech von einem 30 cm langen Spielzeugpanzer übernommen. Nr. 2 war nur noch 20 cm lang und die ganze Mechanik war in Glasfaser-Gießharztechnik komplett selbstgemacht. Die Elektronik bestand aus den damals topaktuellen CMOS-Logik-Bausteinen, über 19 davon hatte ich verbaut, 220 elektronische Bauteile insgesamt. Das dritte KYTRON war nur mehr 11 cm lang und verwendete dünne Drahtfühler als Anstoßsensoren. Es konnte nicht ganz so komplizierte Hindernis-Ausweichmanöver fahren wir Nr. 2, dafür hatte es Solarzellen auf dem Deckel, die bei voller Sonneneinstrahlung für den Fahrbetrieb genug Energie lieferten, ansonsten zum Aufladen der Akkus dienten. KYTRON 4 wurde später umgebaut, so dass es dank Motorola ICU (Chip 14500) per Software kontrolliert wurde. KYTRON 5 schließlich war “winzig klein”, 65 mm lang und 115 g leicht. Das war 1978, zu der Zeit gab es noch keine SMD-Bauteile, und doch habe ich über 100 Bauteile verbaut, aber keine ICs, die hätten nicht reingepasst. Auch dieses kleinste KYTRON trug 8 monokristalline Solarzellen als Dach.
Als KYTRON 6 hätte ein sechsbeiniges Krabbelmonster folgen sollen, aber das habe ich nie gebaut.

Jetzt haben wir das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausend hinter uns. Was hat sich in den etwa 30 Jahren getan?
Auf dem Gebiet “autonomous mobile robots” viel. Und wenig zugleich.
Zu Weihnachten bekam ich zwei HEXBUGs. Einen HEXBUG original und einen HEXBUG nano.
Der HEXBUG original ist ein sechsbeiniges Krabbeltier, läuft auf seinen Beinchen vorwärts, bis er mit seinen dünnen Drahtfühlern (kommt uns das bekannt vor?) ein Hindernis entdeckt. Tatsächlich ist die Konstruktion der Fühler praktisch identisch zu denen meines KYTRON 5. Der HEXBUG reagiert aber nicht nur auf mechanische Hindernisse, sondern auch auf laute Geräusche. Dafür sieht er kein Licht. Es gibt aber einen HEXBOT, der auf Licht und Schatten reagiert (Crab).
Ich finde es fair zu sagen, dass der HEXBUG original eine logische Fortsetzung meiner KYTRON-Serie darstellt, zumal der Name hex, also sechs enthält, und mein nächstes KYTRON wäre Nr. 6 gewesen…
Für die lange Zeit von 1978 bis 2007 (als der original erschienen ist) erscheint der Fortschritt gering, andererseits auch wieder gewaltig: denn meine KYTRONs sind Einzelstücke, mit unbezahlbar viel Arbeitszeit drin, nicht nur zur Entwicklung und zum Bauen, sondern auch zur Pflege. Während die HEXBUGs als unkompliziertes Spielzeug und Massenprodukt den Markt erobern. Da liegen schon Welten dazwischen.

Abgesehen von der Vergangenheit und den Bezügen zu meinen KYTRONs macht der HEXBUG nano noch mehr Spaß als der original: extrem robust, unkompliziert, und ja, primitiv, und gerade deswegen so faszinierend. Kein einziges elektronisches Bauteil ist da drin, es besteht ausschließlich aus dem Motor mit Excenter-Massekörper, der Batterie, dem Ein-Ausschalter, und dem Gehäuse, welches außen eine weiche Schicht hat, die nach unten in die 12 Beinchen ausläuft. Keine Getriebe, keine Elektronik, keine Sensoren.
Und doch findet sich dieses Minimonster auf einem dicht gedeckten Tisch zwischen Tellern, Besteck und Gläsern wunderbar seinen Weg, kommt nach einem Umkippen nach wenigen Sekunden wieder auf die Füße, und fällt es vom Tisch, krabbelt es eben auf dem Boden weiter. Das einzige, was dieses schnelle Krabbeltierchen aufhalten kann, sind sehr weiche Untergründe: die nehmen die Schwingungsenergie weg, dann geht nix mehr.
Extrem genial, diese ganze HEXBUG-Serie!

(Auf Youtube findet sich mein erstes HEXBUG Filmchen.)

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